Zu allen Jahreszeiten kommen und gehen hier Menschen, vom Morgen bis oft in die Nacht, sie sprechen viele Sprachen:
Im Sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park.
Das beeindruckende Gesamtkunstwerk ist Denkmal, Grabstätte und historischer Erinnerungsort mit Weltgeltung. Hier ruhen Tausende Soldaten der Armee der Sowjetunion, die bei der Befreiung Berlins vom Deutschen Faschismus im Frühjahr 1945 gefallen sind.
Von Helga Karl
Sowjetisches Ehrenmal Treptow in Berlin
Das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park ist eine der eindrucksvollsten Gedenkstätten Berlins, die größte der drei sowjetischen Gedenkstätten in Berlin. Als architektonisches Gesamtkunstwerk ist es Denkmal, Grabstätte und historischer Erinnerungsort mit Weltgeltung. Hier ruhen über 7000 Soldaten der Roten Armee, die bei der Befreiung Berlins im Frühjahr 1945 gefallen sind.
Das Sowjetische Ehrenmal in Berlin-Treptow steht für das Ende des deutschen Faschismus und für das sehr große Opfer jener, die ihn militärisch besiegten. Das waren überwiegend die Soldaten der Armee der Sowjetunion. - Geschützt durch völkerrechtliche Verträge bleibt das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park Mahnmal gegen den Faschismus und ein Ort des Gedenkens, an dem der Sieg und die Befreiung vom Faschismus gefeiert werden.
Historische Entstehung - ein Denkmal für den Sieg über den Faschismus
Nach der Kapitulation der faschistischen Deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 lag Berlin in Trümmern. Mehr als 80.000 Soldaten der Roten Armee waren bei der Schlacht um Berlin, bei der Befreiung Berlins vom Deutschen Faschismus, gefallen. Bereits kurz nach Kriegsende begannen Planungen für zentrale Ehrenmale.
Das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park wurde zwischen 1946 und 1949 errichtet. Es entstand im damaligen sowjetischen Sektor Berlins. Die feierliche Einweihung erfolgte am 8. Mai 1949, am vierten Jahrestag der Befreiung vom Deutschen Faschismus, in Anwesenheit von Vertretern der Alliierten, Veteranen des Kampfes gegen Nazi-Deutschland, der Befreier und Politikern. Auch deutsche Arbeiter waren am Bau beteiligt. Hier ruhen über 7000 im Kampf um die Befreiung Berlins gefallene Sowjetsoldaten.
Der Architekt der Gesamtanlage ist Jakow Borissowitsch Belopolsky (1916–1993), ein Vertreter der sowjetischen Nachkriegsarchitektur. Über sein persönliches Leben ist außerhalb Russlands vergleichsweise wenig bekannt, doch sein Werk im Treptower Park - die künstlerische Qualität - spricht für sich.
Belopolsky konzipierte das Ehrenmal als streng komponierten Raum. Die lange Mittelachse, die gestaffelten Ebenen, die bewusst gesetzten Blickbeziehungen – all das folgt einer klaren Dramaturgie. Der Besucher schreitet durch eine Abfolge von Trauer, Sammlung und schließlich monumentaler Verdichtung.
Die Wirkung entsteht weniger durch einzelne Details als durch die Gesamtkonzeption. Das Ensemble ist als räumliche Erzählung angelegt. Es verbindet Grabstätte und Staatsdenkmal, individuelle Trauer und kollektives Gedenken.
Gerade in dieser architektonischen Stringenz liegt die hohe künstlerische Qualität der Anlage.
Architektur und Gestaltung
Der Zugang erfolgt über einen breiten Weg, flankiert von Hänge-Birken - zur Skulptur trauernde Mutter Heimat.
Den Weg bergauf beenden zwei stilisierte Fahnen aus rotem Granit - davor kniet jeweils ein Soldat, ein Rotarmist.
Es folgt eine lange Achse mit 16 steinernen Sarkophagen, die symbolisch für die 16 Unionsrepubliken der damaligen Sowjetunion stehen. Reliefs zeigen Szenen des Krieges, des großen Leidens und des Sieges über den Faschismus. Inschriften sind in russischer und deutscher Sprache ausgeführt.
Die Anlage ist streng symmetrisch. Sie arbeitet mit Perspektive und Steigerung. Am Ende der Achse erhebt sich auf einem künstlich angelegten Grab-Hügel die zentrale Figur:
Der Befreier, ein sowjetischer Soldat mit einem geretteten Kind auf dem Arm, in der anderen Hand ein gesenktes Schwert, das ein Hakenkreuz zerschlagen hat.
Die Statue ist über zwölf Meter hoch. Sie wirkt beschützend. Das Kind steht für das gerettete Leben, Vorbild ist die tatsächliche Rettung eines kleinen deutschen Mädchens in Berlin im Kugelhagel durch einen Soldaten der Armee der Sowjetunion (Nikolai Massalow). Das gesenkte Schwert steht für den beendeten Kampf.
Unterhalb der Figur befindet sich eine begehbare Krypta mit Mosaiken. Sie zeigen Soldaten und Zivilisten in würdevoller Darstellung, begleitet von einem Zitat Stalins in russischer Sprache, das die Rolle der Roten Armee bei der Befreiung Europas hervorhebt.
Die Materialwahl – Granit, Bronze, Mosaik – unterstreicht Dauerhaftigkeit und Ernsthaftigkeit. Die Anlage ist nicht dekorativ. Sie ist bewusst monumental.
Gegen Geschichtsfälschung
Das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park ist ein Ort für Aktionen und Veranstaltungen jener, die sich der Verantwortung angesichts der zutiefst verbrecherischen deutschen Vergangenheit bewusst bleiben und so handeln.
Vertreter der Friedensbewegung gedenken hier jedes Jahr. Manch staatliches deutsches Handeln kann man als Mensch mit Gewissen nur mit Abscheu entschieden zurück weisen:
Dazu gehört die juristische Verfolgung von Heiner Bücker für seine Rede anlässlich des 81. Jahrestages des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion am 22. Juni 2022. Heiner Bücker ist seit Jahrzehnten aktiv für den Frieden engagiert.
Ein Versuch der Geschichtsfälschung gegen die Befreier vom deutschen Faschismus auf juristischem Weg ??
Zu dem berliner Skandal-Urteil zB. der Artikel des Journalisten Florian Warweg in den NDS Nachdenkseiten (Link).
Die Rede von Herrn Heiner Bücker vom AntiWar-Cafe in Berlin können Sie hier hören und nachlesen:
Heiner Bücker: Wir vergessen nicht! 22. Juni 1941.
Sowjetisches Ehrenmal Treptow
Grabstätte gefallener Sowjetischer Soldaten bei der Befreiung Berlins
Das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park ist kein abstraktes Denkmal. Es ist eine Kriegsgräberstätte.
Die hier bestatteten sowjetischen Soldaten - zwischen 7000 und 8000 - sind im Frühjahr 1945 bei den Kämpfen um Berlin gefallen, bei der Befreiung vom Deutschen Faschismus. Viele Soldaten waren noch jung.
Viele sind namenlos geblieben, auch wenn es Initiativen gab und gibt, den Toten ihren Namen zurück zu geben und den Lebenden eine konkrete Vorstellung von den Menschen, die ihr Leben für die Befreiung vom deutschen Faschismus, für die Befreiung Berlins gegeben haben.
Die Gestaltung integriert Grabfelder in die monumentale Architektur. Rasenflächen überdecken Sammelgräber. Dass es vorkam, dass Menschen die Rasen=Grabflächen als Picknickplatz schändlich missbraucht haben (so Presseberichte), hat die Autorin in vielen Jahren niemals beobachtet.
Die Anlage erfüllt damit eine doppelte Funktion: staatliches Erinnerungsmonument und konkreter Ort der Trauer.
Zentrale Bedeutung als Ort des Gedenkens und des Sieges
Der deutsche Angriffs- und Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion - ein geplanter und realisierter Völkermord an Slawen durch Nazi-Deutschland - ist so unvergessen wie die Shoa für Juden.
Für die Sowjetunion war der Sieg über den deutschen Faschismus existenziell. Der Krieg forderte 27 Millionen Tote in der Sowjetunion, davon zwei Drittel Zivilisten. Der 9. Mai wurde zum Tag des Sieges unter nicht vorstellbar großen Opfern für die Befreier, das sind vor allem die Soldaten der Armee der Sowjetunion.
Das Ehrenmal im Treptower Park verkörpert diese historische Erfahrung. Es erinnert daran, dass die Rote Armee entscheidend zur militärischen Zerschlagung des NS-Regimes beigetragen hat.
Für viele Besucher aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion ist dieser Ort nicht nur historisch bedeutsam, sondern persönlich. Familien bringen Blumen, legen Kränze nieder, tragen Fotos gefallener Angehöriger.
Gerade am 9. Mai versammeln sich hier Menschen aus verschiedenen Ländern. Hochbetagte Veteranen kamen früher, heute deren Nachkommen, die Familien - sie gedenken der Toten am Tag der Trauer und feiern den Sieg am 9. Mai mit Gedenken an das "Unsterbliche Regiment".
Der Ort wird mit Würde begangen. Es herrscht eine Atmosphäre konzentrierter Erinnerung, manchmal wie ein sakraler, ein heiliger Ort.
Es gibt negative Ausnahmen, extrem selten.
Die Autorin hat bei ihren Besuchen in vielen Jahren nur einmal Belästigung erlebt, am Tag der Trauer 22. Juni - durch widerwärtigen ukrainischen Pöbel. Die Täter waren fast zwei
Generationen jünger...

"Die Fülle des Herbstes" - Eisler
Es ist unerwartet ein sehr sonniger Tag am 8.November.
Der erste Blick: Die Menschen scheinen sich in dem großzügig gestalteten Gelände der Gedenkstätte "Sowjetisches Ehrenmal Berlin" zu verlieren. Der zweite Blick: Es kommen und gehen an diesem sonnigen Novembertag immer Menschen. Ältere Paare, die sich an der Hand halten, Spaziergänger. Eine Radfahrer-Gruppe, meist junge Leute, es ist eine Stadt-Führung zu diesem besonderen Ort im Treptower Park in Berlin.
Gedenkzeremonien - staatliches Gedenken und Gedenken sehr vieler Menschen
In seiner formalen Strenge erinnert das Sowjetische Ehrenmal an das Spätwerk Hanns Eislers, an die „Ernsten Gesänge“. Auch dort kein Pathos, kein Triumph,
sondern konzentrierte Würde. Belopolskys Architektur arbeitet ähnlich:
klar, reduziert, getragen von Ernst. Das Monument wirkt wie eine Komposition über Verlust, Trauer und Befreiung.
Die Anlage ist wie ein Weg komponiert:
Mutter Heimat→ steinerne Fahnen mit knienden Soldaten → Sarkophage → der Hügel → der BEFREIER mit gerettetem Kind.
Der Bildhauer Jewgeni Wiktorowitsch Wutschetitsch (1908–1974) hat mit dem Architekten Belopolsky bei der Gestaltung des Sowjetischen Ehrenmals Treptow eng zusammen gearbeitet.
Beim Eingang, Weg zum Zugang zur Anlage steht die Figur der „Mutter Heimat“. Sie kniet, den Kopf gesenkt, die Hände auf dem Gewand. Viele Besucher bleiben hier stehen (beobachtete ich öfter, H.K.), ein kleines Kind auf dem Arm oder an der Hand und erklären. Ein Mädchen auf dem Arm des Vaters hörte ich fragen:
„Warum ist sie traurig?“
"Mutter Heimat" verkörpert nicht den Sieg, sondern den Verlust. Sie steht für die Millionen Mütter in der Sowjetunion, die ihre Söhne in diesem äußerst schweren Verteidigungskrieg gegen die deutschen Nazi-Invasoren verloren haben.
Noch bevor der Weg zu den Sarkophagen und zur zentralen Soldatenfigur "Befreier" führt, begegnet man hier der Trauer. Bei Gedenkveranstaltungen werden immer zuerst Blumen und Kränze vor Mutter Heimat nieder gelegt. Von allen Menschen, die ich sah.
Die Anlage beginnt also bewusst nicht mit Triumph, sondern mit Leid. Erst danach entfaltet sich die monumentale Achse des Gedenkens.
Mehrfach im Jahr finden offizielle Gedenkveranstaltungen im Sowjetischen Ehrenmal Treptow statt – insbesondere am "Tag der Trauer" (22. Juni 1941 - Überfall des faschistischen Deutschland auf die Sowjetunion) und Gedenken und Feiern des Sieges 8. und 9. Mai 1945. Diplomatische Vertreter, Veteranenverbände und Privatpersonen nehmen teil. Diese Gedenkveranstaltungen werden meist von der russischen Botschaft organisiert, Botschaften weiterer Nachfolgestaaten der Sowjetunion nehmen teil. Blumen werden niedergelegt, Reden gehalten, Schweigeminuten eingelegt. - Am Jahrestag der Befreiung, am 9.Mai 2015, waren ca 10.000 Zehntausend Menschen im Sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park.
Gesetzliche Garantien für den Erhalt und Zugang
Die sowjetischen Ehrenmale in Berlin stehen unter besonderem gesetzlichem Schutz. Grundlage sind verbindliche internationale Vereinbarungen und bilaterale Verträge.
Bereits in den Viermächte-Abkommen nach 1945 wurde der Erhalt zugesichert. Später regelte der Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990 die Achtung und Pflege der sowjetischen Ehrenmale.
Deutschland hat sich verpflichtet, diese Stätten dauerhaft zu erhalten und zu pflegen.
Das Land Berlin kommt dieser Verpflichtung nach, Vandalismus gibt es trotzdem immer wieder, er wird verfolgt. Die Anlage steht zudem unter Denkmalschutz.
Russland hat Völkerrechtlich gesicherte Schutzansprüche, Diplomatische Interventionsmöglichkeiten und Anspruch auf Erhalt und würdige Pflege.
Ohne die Zustimmung der Botschaft der Russischen Föderation dürfen keine Veränderungen vorgenommen werden.
Deutschland ist Eigentümer und hat die Verwaltung, Polizeigewalt und Denkmal- und Gräberschutzpflicht
Das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park zwingt zur Ernsthaftigkeit
Das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park ist ein Ort, der zur Ernsthaftigkeit zwingt.
Wer die lange Achse entlanggeht, spürt die Dimension der Geschichte. Die monumentale Figur des Soldaten "Befreier" mit dem geretteten (deutschen) Kind auf dem Arm am Ende, auf dem Hügel, steht für den militärischen Sieg der Sowjetunion über den deutschen Faschismus, über den Aggressor Nazi-Deutschland im deutschen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion.
Er steht auch für Befreiung Deutschlands und Europas maßgeblich durch die Soldaten der Sowjetunion von der verbrecherischen Nazi-Ideologie. Dass es BEFREIUNG war, wie Bundespräsident Weizäcker in seiner historischen Rede betonte, wollen in Deutschland und EU zu viele mit ihrem verfälschenden Geschichtsrevionismus vergessen machen.
Gleichzeitig erinnern die Grabfelder des Sowjetischen Ehrenmals im Treptower Park daran, dass dieser Sieg einen sehr hohen Preis hatte, für die Befreier. Zuerst die Zerstörung der Sowjetunion durch die deutschen Barbaren, etwa 27 Millionen Tote Menschen in der Sowjetunion. Unendliches Leid. Unvergessen wie die Shoa, verursacht jeweils durch Nazi-Deutschland. - Nur die Befreiung Berlins vom deutschen Faschismus kostete 80.000 Sowjetsoldaten das Leben.
Dieser Ort lädt nicht zu schnellen Bildern ein. Er verlangt Zeit.
Wer verweilt, erkennt: Befreiung vom Faschismus war keine abstrakte politische Wende. Sie war das Ergebnis sehr großer und sehr konkreter Opfer, zuerst und vor allem der Menschen der (früheren) Sowjetunion - die Täter Deutsche. Die Befreier Sowjetsoldaten.

...ein persönliches Nachwort zum 9. Mai 2015; Helga Karl
Am 9. Mai 2015, Tag des großen Gedenkens der Befreier an den Sieg über Nazi-Deutschland, streikten die Lok-Führer der S-Bahn.
Das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park ist über ÖPNV vor allem über die S-Bahn gut erreichbar, S-Bahnstation Treptower Park. Ich selbst bin an diesem Tag morgens mit einem Strauss Blumen zum
Niederlegen vor den Denkmalen "Mutter Heimat", den Statuen der Soldaten der Roten Armee und Gräbern mit dem Bus (BVG Berliner Verkehrsbetriebe) zum Sowjetischen Ehrenmal in Treptow gefahren, am
Gurt die Kamera um den Hals.
Ich sprach mit vielen anwesenden Menschen - oft aus Ländern der früheren Sowjetunion - und fotografierte. Nach etwa zwei Stunden wollte ich zum Sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Tiergarten mit dem Bus fahren. Es standen viele Menschen auf der Strasse vor dem Eingang, suchten. Viele Familien, oft kleine Kinder dabei, wenige sehr alte Menschen. Die meisten hatten noch einige Blumen in den Händen, um sie am Ehrenmal in Berlin-Tiergarten nieder zu legen. Ich suchte wie sie die Bushaltestelle und fand sie nicht, d.h. es gab Schilder der Haltestelle, aber dort kam kein Bus an. Es gab keine Information, WARUM kein Bus kommt.
Ich wurde mehrfach angesprochen von Wartenden, ich sprach deutsch, sie öfter russisch. Es waren Menschen, die oft von weither zu diesem Gedenktag angereist waren, viele hatten noch die Schilder mit den Fotos ihrer Vorfahren in der Hand, der Befreier vom deutschen Faschismus. Viele ihrer Familienmitglieder waren im Großen Vaterländischen Krieg gefallen, ermordet von Deutschen.
Ich wollte helfen, ging in Seitenstrassen. Ich sah einen großen roten Bus stehen, mit Fahrer, sonst leer. Oben auf der Windschutzscheibe in großer Schrift "Deutsche Bahn". Der Fahrer mampfte eine Riesensemmel mit Wurst. Ich klopfte an die Tür, er öffnete immerhin. Höflich erklärte ich ihm: Viele Menschen warten hier und es kommt kein Bus an der Haltestelle. Die S-Bahn streikt. Die Menschen kommen von weit her, oft aus dem Ausland. Die kennen sich in Berlin nicht aus. Es sind die Nachkommen jener Menschen, die Nazi-Deutschland angegriffen und Millionfach ermordet hat. Wissen Sie, wo ein Bus abfährt? - wollte ich von ihm wissen.
Ich stand auf den Treppen der Bus-Tür, als er mit den Worten "Hören Sie mir auf mit diesem Gesindel !" auf einen Knopf drückte, die Tür ging zu. Ich sprang instinktiv zurück, um nicht eingequetscht zu werden, fiel hart rückwärts auf den Boden. Mein Knie schmerzte abrupt, ich humpelte stark und schrie ihm zu: "Beim Adolf hätten Sie sich wahrscheinlich den A## aufgerissen, damit die Juden schneller zum Vergasen kommen!" - Er mampfte weiter. Ich fotografierte den Bus mit Nummernschild.
Ich fand dann doch den provisorischen Bus-Halteort, weil ein Bus der BVG ankam.
Ich sagte dem Busfahrer: Da sind viele Tausend Leute zum Gedenken im Sowjetischen Ehrenmal gekommen, viele aus dem Ausland. Viele mit kleinen Kindern, manche
sehr alt. Wieso läßt die BVG die Busse nicht an der Bushaltestelle ankommen, sondern woanders? Und warum ist nichts durch die BVG ausgeschildert? - Ich sprach bewusst immer
lauter, damit es alle im Bus hören können, weil ich keine Erklärung von ihm bekam.
Ich konnte noch die Information an Wartende weiter geben, dass in dieser Strasse ein Bus gekommen ist.
"Wollen Sie jetzt mitfahren oder nicht?" - war der einzige Satz des BVG-Busfahrers zu mir.
Die BVG Berliner Verkehrsbetriebe (Eigentümer Land Berlin) und DB Deutsche Bahn (Eigentümer Bund) sind die Nachfolge-Unternehmen jener faschistischen deutschen Verkehrsunternehmen, die - wahrscheinlich effizient organisiert - , die Juden in die KZ beförderten, auf schlimmste Weise, oft zum Vergasen und die sowjetischen Zwangsarbeiter nach Deutschland und sowjetische Kriegsgefangene nach Deutschland, wo diese - das waren und bleiben schwerste Kriegsverbrechen durch die faschistische Deutschen Wehrmacht - durch bestialische deutsche Barbaren zum Massensterben und vorsätzlich-geplanten Verhungern lassen in deutsche KZs eingesperrt wurden.
Fast ohne Nahrung, "Unterkunft" auch im Winter nur in Erdlöchern, mit den Händen selber zu graben.
Helga Karl
Der Mond wacht über dem Sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park
An einem Frühlingstag im April im Sowjetischen Ehrenmal Treptow
Bildergalerien Sowjetisches Ehrenmal in Treptow Berlin: Diese Fotos habe ich am 16. April 2014 aufgenommen. Helga Karl
© Texte und Fotografien vom Sowjetischen Ehrenmal in Treptow: Helga Karl
KNB KNBerlin
Der Beitrag vom 8. Mai 2017 wurde von Helga Karl grundlegend überarbeitet und am 22.Februar 2026 in erweiteter Fassung veröffentlicht.
© Helga Karl. Alle Rechte vorbehalten
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