Von Helga Karl
Seit über fast sieben Jahrzehnten ist Kuba durch die USA einem der umfassendsten und langlebigsten Sanktionsregime der modernen Geschichte ausgesetzt. Das von den USA völkerrechtswidrig verhängte Wirtschafts-, Handels- und Finanzembargo – international oft umgangssprachlich als Blockade bezeichnet – ist kein symbolisches Instrument, sondern greift tief in die alltäglichen Lebensbedingungen der kubanischen Bevölkerung ein. Seine nachhaltig-negativen humanitären Wirkungen sind gut dokumentiert. Sie wollen real mit Kuba auch die Vorstellungen von einem menschlicheren Zusammenleben auslöschen.
Empirisch-beschreibend kann man die schon fast 70 Jahre anhaltenden US-militärischen, US-geheimdienstlichen, der hybriden US-Angriffe und der US-Blockaden gegen das kleine Land Kuba durchaus als US-Terror zur Strangulierung Kubas bezeichnen. - Seit 33 Jahren stimmen die Länder dieser Welt jährlich bei UN-Resolutionen für die Aufhebung dieser US-Sanktionen zu, zuletzt am 29. Oktober 2025: 187 Länder für die Aufhebung, nur 2 - USA und Israel - dagegen.
USA strangulieren Kuba: Lebenszerstörung für die Menschen
UN-Abstimmung: USA und Israel dagegen - 187 Länder stimmen für die Aufhebung der US-Sanktionen gegen Kuba
Seit 1992 stimmt die UN-Generalversammlung jährlich über eine Resolution zur Aufhebung der US-Blockade ab – 33-mal bis zuletzt Oktober 2025.
1992: 59 Ja, 3 Nein (USA, Israel, Marshallinseln), 71 Enthaltungen.
Die Ja-Stimmen der Länder der UN sind seither ständig mehr geworden. 2016 gab es erstmals und einmalig unter Obama von den USA eine Enthaltung:
Der höchstgerüstete US-Goliath....Kuba lebt...
Die USA haben seit der kubanischen Revolution systematisch versucht, die Souveränität Kubas zu brechen: durch wirtschaftliche Blockade, verdeckte Kriegsführung, diplomatische Isolation, gesetzliche Strafmaßnahmen. Viele dieser Maßnahmen haben erheblichen wirtschaftlichen Schaden für die kubanische Bevölkerung erzeugt, konnten aber das politische System in Kuba nicht stürzen.
Kuba lebt und hat bisher überlebt durch externe Schutzmacht-Beziehungen – zuerst zur Sowjetunion, später vielfältigere Partner – und durch innere Stärke, durch interne politische Anpassung, trotz und mit schweren sozialen und wirtschaftlichen Belastungen.
Abrupt - unter Gorbatschow - kündigte im März 1990 die UdSSR an, künftige Lieferungen an Kuba nur noch gegen freie Konvertibilität = harte Währung zu leisten. Das stürzte Kuba in eine tiefe wirtschaftliche und humanitäre Krise.
Gesundheit und medizinische Versorgung
Bereits in den 1990er Jahren zeigten wissenschaftliche Studien, dass die Verschärfung des US-Embargos – insbesondere durch den Torricelli Act (1992) – direkte Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit in Kuba hatte. Eine im American Journal of Public Health veröffentlichte Untersuchung von Richard Garfield und Sarah Santana belegte, dass eingeschränkte Importe von Medikamenten, medizinischer Ausrüstung und Ersatzteilen die Funktionsfähigkeit des Gesundheitssystems erheblich belasteten.
Es ging und geht dabei nicht nur um den direkten Ausschluss vom regional nahen US-Markt, sondern um die extraterritoriale Wirkung der Sanktionen: Drittstaaten und internationale Unternehmen vermieden (und vermeiden bis heute) Lieferungen nach Kuba aus Angst vor US-Strafmaßnahmen. Das führte damals und auch heute zu Verzögerungen, höheren Preisen und zeitweise zur Nichtverfügbarkeit lebenswichtiger Medikamente – selbst dann, wenn diese als eindeutig humanitär deklariert waren.
Aktuelle Berichte der UN-Sonderberichterstatterin zu einseitigen Zwangsmaßnahmen bestätigen diese Befunde. Bei ihrem Kuba-Besuch stellte sie fest, dass ein erheblicher Teil der benötigten Medikamente nicht verfügbar ist und dass besonders chronisch Kranke, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen betroffen sind. Diese Engpässe sind strukturell durch das US-Sanktionsregime (mit-) verursacht.
Warum es nicht zur offenen humanitären Katastrophe in Kuba kam
Dass Kuba trotz dieser Bedingungen keine humanitäre Katastrophe im klassischen Sinn erlebte, wird manchmal als Argument gegen die Schwere der US-Sanktionen angeführt. Die Forschung zeichnet jedoch ein anderes Bild: Die negativen Effekte wurden nicht verhindert, sondern abgefedert –
durch ein universelles, staatlich organisiertes Gesundheitssystem, präventive Medizin, Rationierungssysteme und die bewusste Priorisierung knapper Ressourcen zugunsten vulnerabler Gruppen in Kuba.
Mit anderen Worten: Nicht das Embargo war „harmlos“, sondern die gesellschaftlichen Schutzmechanismen in und durch das sozialistische Kuba waren ungewöhnlich robust. Internationale Studien betonen, dass Länder ohne vergleichbare staatliche Strukturen unter ähnlichen Sanktionsbedingungen deutlich höhere Mortalitäts- und Morbiditätsraten aufgewiesen hätten.
Ernährung, Wasser und Infrastruktur
Auch die Versorgung mit Nahrungsmitteln, sauberem Wasser und Energie wurde wiederholt beeinträchtigt. Derzeit - durch die Blockade durch die USA von Öl-Lieferungen nach Kuba - sind diese Probleme gravierend.
Sanktionen erschweren nicht nur den Import von Lebensmitteln, sondern auch von landwirtschaftlichen Betriebsmitteln, Ersatzteilen für Wasseraufbereitungsanlagen oder Chemikalien zur Trinkwasserdesinfektion. In Krisenphasen – etwa nach Naturkatastrophen oder während globaler Lieferkettenstörungen – wirken diese Einschränkungen besonders gravierend.
Mehrere internationale Beobachter weisen darauf hin, dass sich Ernährungsdefizite in Kuba nicht gleichmäßig auf alle Bevölkerungsgruppen verteilen:
Kinder und Schwangere konnten durch gezielte staatliche Programme Kubas oft besser geschützt werden. Aber solche Maßnahmen sind durch den materiellen Mangel wegen Sanktionen nicht für alle möglich. Ältere Menschen und sozial Schwächere wurden stärker belastet.
Dass humanitäre Schäden durch das brutale US-Sanktionsregime gegen Kuba über Jahrzehnte nicht noch größer waren, zeigt, wie viel staatliche Gegensteuerung und Solidarität notwendig war und real praktiziert worden ist, um Schlimmeres zu verhindern.
Belegt in der internationalen Forschung
Die 2025 in The Lancet Global Health veröffentlichte Langzeitstudie von Francisco Rodríguez und Kollegen bestätigt diesen Befund auf globaler Ebene: Einseitige Sanktionen, die nicht vom UN-Sicherheitsrat mandatiert sind, sind statistisch mit massiv erhöhter Sterblichkeit verbunden – insbesondere bei Kindern.
Zwar weist die Studie keine länderspezifischen Zahlen für Kuba aus, doch Kuba fällt klar in die Kategorie jener Staaten, die über Jahrzehnte einseitigen, extraterritorial wirkenden massiven Sanktionen ausgesetzt waren.
Damit erhält die Diskussion um Kuba eine wissenschaftlich fundierte Grundlage:
Die humanitären Kosten solcher Sanktionsregime gegen Kuba sind kein Kollateralschaden im engeren Sinn, sondern ein systemischer Effekt.
Das wissen die Entscheider in den USA, das weiß der US-Blockade-Unterstützer Israel, das wissen all jene in Medien und Politik, die schweigen oder sogar jene im eigenen Land mit-sanktionieren, die humanitär zu helfen versuchen.
Kuba braucht Luft zum Atmen - es geht dabei um Menschenleben
Die humanitären Folgen des jahrzehntelangen US-Embargos gegen das sozialistische Kuba sind gut dokumentiert und international anerkannt – von medizinischen Fachjournalen über UN-Berichte bis hin zu ökonomischen Langzeitstudien. Dass Kuba bis heute trotzdem noch existiert, ist Ausdruck außergewöhnlicher gesellschaftlicher Resilienz in Kuba und permanenter Improvisation unter Druck.
Für die aktuelle politische Debatte – insbesondere für die Frage, was andere Länder konkret tun können, um Kuba vor weiterer ökonomischer Strangulierung durch die USA zu schützen – ist diese Feststellung zentral:
Es geht nicht um Ideologie, sondern um nachweisbare nachhaltig-negative Auswirkungen
auf Gesundheit, Ernährung und Leben der Menschen in Kuba.
Torricelli & Helms-Burton Act – die zwei zentralen Verschärfungen des US-Embargos gegen Kuba hin zu einem global wirksamen Abschreckungssystem
Warum beide Gesetze zusammen entscheidend und sehr folgenreich sind:
Torricelli (1992) zielte vor allem auf Handel und Transport, Helms-Burton (1996) auf Investitionen und Drittstaaten.
Zusammen verlagern sie den US-Sanktionsdruck von einer bilateralen Maßnahme (USA gegen Kuba) zu einem global wirksamen Abschreckungssystem, das auch Unternehmen außerhalb der USA betrifft.
Zum Kontext:
Diese US-Maßnahmen gegen Kuba (faktisch auch eine Abschreckung und Warnung an Länder des Globalen Südens) erfolgten, als Kuba durch die abrupte Umstellung des Handels mit der Sowjetunion 1990 auf frei konvertierbare Währungen ohnehin sehr stark geschwächt und in einer wirtschaftlichen und humanitären Krise war. Kubas früherer Unterstützer Sowjetunion war zusammen gebrochen. Durch die verbrecherische Perestrojka-Schock-Politik unter Gorbatschow und vor allem Jelzin, beide unter dem Einfluss von US-Beratern wie Sachs, war Russland damals mit massiv zerstörter Wirtschaft, hoher Übersterblichkeit (Massensterben), Zerstörung des eigenen Gesundheits- und Sozialsystems, sehr hoher Arbeitslosigkeit und Ausplünderung des Landes Russland durch eine winzige Zahl verbrecherischer Personen belastet, die so blitzschnell zu Oligarchen wurden.
Torricelli Act (Cuban Democracy Act, 1992)
Der Torricelli Act ist ein US-Gesetz von 1992, das das bestehende Embargo gegen Kuba deutlich verschärfte.
Es verbietet unter anderem US-Tochterfirmen im Ausland, mit Kuba Handel zu treiben, und untersagt Schiffen, die kubanische Häfen anlaufen, innerhalb von sechs Monaten US-Häfen zu besuchen.
Praktische Auswirkungen für Kuba:
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Deutlich weniger internationale Lieferanten (auch aus Drittstaaten)
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Höhere Transport- und Versicherungskosten
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Abschreckung von Banken und Handelspartnern durch sogenannte „sekundäre Effekte“
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Erschwerter Zugang zu Medikamenten, Ersatzteilen und Industrieprodukten
Das Gesetz zielte darauf ab, Kuba - das sozialistische Kuba - wirtschaftlich noch stärker zu isolieren, zu belasten und politischen Druck aufzubauen. Es wirkt vor allem über Handels- und Finanzhemmnisse im zivilen Bereich.
Quellen (Auswahl):
Richard Garfield; Sarah Santana (1997). The impact of the economic crisis and the US embargo on health in Cuba. American Journal of Public Health 87(1): 15–20. DOI: 10.2105/AJPH.87.1.15.
Diese Arbeit untersucht die Folgen des Wirtschaftseinbruch seit 1989 und durch die Verschärfung des Embargos 1992 und beschreibt u. a.
Versorgungsprobleme (Medikamente/Material/Ersatzteile) und Belastungen des Gesundheitssystems.
Francisco Rodríguez; Silvio Rendón; Mark Weisbrot et al. (2025). Effects of international sanctions on age-specific mortality: a cross-national panel data analysis. The Lancet Global Health
Langzeitstudie zum Zusammenhang von Sanktionen und Mortalität (Peer reviewed)
Helms-Burton Act (LIBERTAD Act, 1996)
Der Helms-Burton Act „kodifizierte“ das Embargo – es kann seither nicht mehr allein durch eine Präsidentenentscheidung aufgehoben werden. Besonders umstritten und weitreichend sind die extraterritorialen Bestimmungen.
Praktische Auswirkungen für Kuba:
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Abschreckung ausländischer Investoren, da sie in den USA verklagt werden können (Title III), wenn sie Geschäfte mit nach 1959 verstaatlichtem Eigentum in Kuba machen.
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Einreiseverbote für bestimmte ausländische Unternehmer (Title IV).
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Erhöhte Rechts- und Finanzrisiken für Banken, Reedereien und Versicherer.
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Weitere Isolation Kubas vom internationalen Kapital- und Finanzmarkt.
Der Helms-Burton Act verlagert den weiteren Druck auf Kuba auch auf Drittstaaten und deren Unternehmen, um auf diesem Weg Kuba zusätzlich zu schaden, Kuba zu belasten und Kuba zu isolieren.
UN-Sonderberichterstatterin (Alena Douhan) – Kuba-Besuch und Medikamentenknappheit
Offizielles UN/OHCHR-Dokument (Besuch 11.–21. Nov 2025):
Preliminary findings of the visit to Cuba – Special Rapporteur on the negative impact of unilateral coercive measures, Alena Douhan, 21 Nov 2025 (OHCHR)
Es werden u. a. die Nichtverfügbarkeit eines großen Anteils benötigter Medikamente und die besondere Betroffenheit vulnerabler Gruppen thematisiert.
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